Biodiversität in der Krise

Was können Deutschland und die EU dagegen tun? (2020)

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina warnt in einem Diskussionspapier vor den Folgen des weltweiten Artensterbens und legt einen 10-Punkte-Plan vor.

 

Nachfolgende Biodiversitätsstrategie der EU für 2020 wurde bereits 2011 veröffentlicht.

Bis heute haben sich jedoch noch keine Verbesserungen eingestellt.

Dies verdeutlicht, dass nun auf Worte und Strategien endlich Taten folgen müssen.

https://ec.europa.eu/environment/nature/info/pubs/docs/brochures/2020%20Biod%20brochure_de.pdf

 

Wir haben aus dem 10 Punkte-Plan der Naturforscher die Punkte herausgesucht, bei denen Sie hier in Sachsenheim selbst aktiv werden können und Verbesserungen bei der Artenvielfalt bewirken können.

 

1. Reduktion Fleischkonsum

Bei der Herstellung von Fleisch werden sehr viel mehr Ressourcen benötigt als beim Anbau von pflanzlichen Produkten. Aus Sicht des Natur- und des Tierschutzes wäre eine Umstellung auf Bioprodukte das richtige. Wenn der Fleischkonsum zumindest halbiert würde, dann wären auch die Mehrkosten für das qualitativ höherwertige Fleisch zu verkraften.

 

Das können Sie tun:

  •  Reduzieren Sie Ihren Fleischkonsum (Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, Fleisch in Maßen zu essen, insgesamt nicht mehr als 300-600 Gramm (g) Fleisch und Wurst pro Woche für einen Erwachsenen.)
  • Aufgrund der geringeren Menge, können Sie sich jetzt Bio-Fleisch leisten

 

3. Weniger Düngemittel und Pestizide

Grundsätzlich ist da die Landwirtschaft gefordert. Doch muss man hier auch sehen, dass die Landwirte, das produzieren, was nachgefragt wird. Somit können wir alle durch den Kauf von regionalen Bioprodukten die Umstellung der Landwirtschaft auf biologische Bewirtschaftung anregen.

 

Das können Sie tun:

  • Kaufen Sie wenn möglich biologisch angebaute Lebensmittel

 

4. Förderung Biotopvielfalt

10-Meter breite Naturrandstreifen an Gewässer, mehr Brachen und Stilllegungsflächen

 

Das können Sie tun:

  • ersetzen Sie im Garten nicht heimische Pflanzen gegen heimische Pflanzen
  • legen Sie Ihren Garten naturnah an
  • verzichten Sie auf Schottergärten
  • Helfen Sie den Wildtieren durch Anlegen von Reisighaufen, Bienenhotels, Nisthilfen für Vögel, Hummeln etc.

 

Bei den weiteren Punkten sind wir bereits aktiv und mit der Stadtverwaltung im Gespräch.

Wir sprechen die Punkte an und machen Vorschläge wie Verbesserungen aussehen können.

Zudem weisen wir auf Missstände hin und geben Stellungnahmen zu Bebauungsplänen ab.

Und hierbei können Sie uns unterstützen:

  • Werden Sie Mitglied beim NABU
  • Unterstützen Sie uns aktiv bei unserer Arbeit
  • Motivieren Sie Ihre Mitmenschen, Freunde, Nachbarn und Verwandte, sich für die Natur einzusetzen.

5. Wiedervernässung

Setzen Sie sich mit uns dafür ein, dass im Kirbachtal wieder Wiesen vernässt werden, wenn Sie zuvor durch Entwässerungsgräben trockengelegt wurden. Das sind z.B. Wiesen zwischen Großsachsenheim und Hohenhaslach, Höhe Rechentshof. Vor 30 Jahren gab es hier noch den Kiebitz.

 

6. Sicherung der Biodiversität

Fordern Sie von der Stadtverwaltung, zukünftig Baumaßnahmen nicht mehr in Schutzgebiete und in wertvollen Naturräumen umzusetzen. Schutzgebiete müssen Beachtung finden. Dazu gehört z.B. auch die Vermeidung des neuen Feuerwehrstandort im Kirbachtal in der freien Landschaft. In Schutzgebieten muss eine angepasste Landnutzung erfolgen.

 

9. Vergrößerung der Schutzgebietssysteme in genutzten Waldgebieten

Hier können Sie uns bei der Forderung an die Stadtverwaltung stärken, städtische Waldgebiete unter Schutz zu stellen (Bannwald) bzw. nachhaltiger zu bewirtschaften. (z.B. mit Zertifizierungen)

 

Referenzen:

Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt

https://www.leopoldina.org/themen/biodiversitaet/schutz-der-artenvielfalt/

https://www.forschung-und-lehre.de/politik/leopoldina-zeigt-optionen-gegen-artensterben-auf-2804/

https://www.leopoldina.org/themen/biodiversitaet/publikationen-biodiversitaet/

 

 

Auszüge:

„Der Rückgang der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft ist so dramatisch, dass in Zukunft ernsthafte Folgen für die Funktionsfähigkeit der Agrarökosysteme und für das Wohlergehen des Menschen zu erwarten sind.“ Mit den richtigen Maßnahmen ließe sich der Artenrückgang in der Agrarlandschaft aber nicht nur aufhalten, sondern auch umkehren. ...  Da Ursachen und Folgen des Artenrückgangs viele Entscheidungs- und Handlungsebenen berührten, müssten die Maßnahmen politische, ökonomische, rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen berücksichtigen. Mit einbezogen werden müssten also Politik, Kommunen, Landwirtschaft, Handel, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die Wissenschaft.

 

Die Umweltpolitik verändern

Landwirtinnen und Landwirte erhalten über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU Transferzahlungen. Diese Zahlungen orientieren sich vor allem an der Fläche. Sie sind unabhängig von der Art der Produktion, also nicht daran gekoppelt, ob die Bewirtschaftung etwas für das Gemeinwohl leistet. Außerdem fördert die EU freiwillige Umweltmaßnahmen. In der Stellungnahme kritisieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass die Regelungen für die Landwirtschaft die biologische Vielfalt nicht wirksam genug schützen. Sie fordern, dass sich die biodiversitätsfreundliche Bewirtschaftung für Landwirtinnen und Landwirte lohnen muss. Der Schutz der biologischen Vielfalt müsse finanziell stärker gefördert werden.

Energiewende 2030 – Schlüssel zum Klimaschutz in Europa

 

Konsum und Lebensstil verändern

Beim Schutz der Biodiversität ist nicht nur die Politik gefragt, sondern auch die Verbraucherinnen und Verbraucher. Zentrales Element einer nachhaltigen Lebensweise ist die Ernährung: Gerade unser Fleischkonsum trägt zum Rückgang der Artenvielfalt bei, da Futtermittelanbau und Viehzucht große Flächen beanspruchen und extrem industrialisiert sind. Eine Ernährungsumstellung gleicht zudem eine geringere Produktivität von Flächen aus. Der Handel kann zu einer größeren biologischen Vielfalt beitragen, indem Produkte aus regionaler biodiversitätsfreundlicher Herstellung entsprechend gekennzeichnet werden. Lebensmittelverluste sollten auf beiden Seiten reduziert werden, sowohl im Handel als auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten, so die Stellungnahme.

 

In der Gesellschaft müsse das Bewusstsein für den Wert der biologischen Vielfalt gestärkt werden. Denn das Aussterben von Arten ist irreversibel und einzelne Arten sind nicht zu ersetzen. Als sichtbare Vorreiter und Multiplikatoren sollten sich Kommunen für die Artenvielfalt einsetzen, sagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Stellungnahme. Um die Wirksamkeit von Maßnahmen zu überprüfen, fordern die Expertinnen und Experten ein bundesweites und standardisiertes Monitoring. Der Schutz der Artenvielfalt ist eine Gemeinschaftsaufgabe.